Pressestimmen PDF Drucken E-Mail

Die Presse schrieb:

Main-Echo am 17. Juli 2010

Ganz entspannt im Hier und Jetzt

Musical-Komödie: Das Theater im Main in Laudenbach bringt Dan Goggins »Non(n)sens« auf die Pontonbühne

nonnsens_presse

Foto: Ruth Weitz

Laudenbach. Fünf Nonnen, die stimmgewaltig, hüftschwingend und beine-werfend die Bühne zum Schwanken bringen: Gibt es einen besseren Beweis für die Leichtigkeit von Sommertheater? Nun gut, die Bühne hebt und neigt sich natürlich zuvorderst, weil sie auf einen Ponton im Main aufgesetzt ist - aber gerade das macht ja den eigentlichen Reiz des Freiluft-»Theaters im Main« am Laudenbacher Ufer (Kreis Miltenberg) aus.

Alles richtig gemacht also zu Beginn der zweiten Saison des Maintal Theaters, das Publikum kann - wenn denn auch noch das Wetter mitspielt - mit der Sonne als Rückenwärmer und einer frischen Brise vom Fluss her einen unterhaltsamen Theaterabend genießen. Dan Goggins »Non(n)sens« ist ohnedies für Regisseure eine dankbare Musical-Komödie, die genügend Spielraum zu eigenen Ideen lässt und vor allem problemlos auf regionale Besonderheiten hin variiert werden kann: So versetzt Maintal-Theater-Intendant und Regisseur Georg Mittendrein den bunten Abend eines munteren Nonnen-Quintetts - natürlich - nach »Laudenbeach«, nutzt den Main als roten Teppich für die Akteurinnen und versteckt genügend kleine tagesaktuelle Hinweise in die Dialoge, um das zum Plaisir des Publikums mehr und mehr aus dem Ruder laufende Treiben der Ordensschwester im wahren Wortsinn zu vergegenwärtigen.
Entsprechend entspannt gestaltete sich die Premiere von »Non(n)sens« am Mittwochabend vor ausverkauften Rängen. Von dort gab es immer wieder Szenenapplaus für den gespielten Wohltätigkeitsabend von Mutter Oberin (Michaela Hock) und ihren Schwestern Maria Hubert (Irene Budischowsky), Robert Anne (Sandra Högl), Maria Amnesia (Eva Reinold) und Maria Leo (Anne Sophie Krenn): Die hoffen auf Spenden, um vier Mit-Schwestern bestatten zu können, die wie 48 weitere des Ordens einer vergifteten Fischsuppe zum Opfer fielen.
Deren letzte Ruhestätte war mit dem Notgroschen des Ordens zwar noch gesichert, doch dann sorgte Mutter Oberin etwas übermütig für High-Tech-TV im Kloster und damit für Ebbe in der Kasse. Alsdenn müssen die fünf Überlebenden nun mit ihren göttlichen Talenten und auf quietschfidele Weise um Sponsoren hausieren.
Das bedeutet: In der Choreografie von Anne Sophie Krenn erhalten die Schwestern genügend Beinfreiheit für Frivolitäten, während Mutter Oberin Michaela Hock vor allem vor der Pause beim unbeabsichtigten Kokain-Verzehr mimisch und gestisch brillieren kann. Dazu eingängige Melodien, schmissig gebracht von einer kleinen »Mönchs«-Combo: Sommertheater kann so herrlich unbeschwert sein, der Begriff »lau« für einen solchen Abend ist nur positiv zu verstehen - wenn es eben gelingt, den richtigen Weg zu finden. Und da geht mit »Non(n)sens« auf der Bühne im Main wirklich nichts den Bach hinunter.
Stefan Reis

»Non(n)sens« (150 Minuten, inklusive Pause): Theater im Main, Mainufer Laudenbach, Internet www.maintal-theater.de - bis 14. August jeweils Donnerstag bis Samstag 20 Uhr

 

Hintergrund: »Non(n)sens« und Nonnenklöster in der Region

Dass sich Dan Goggins überdrehte Nonnen auf der Bühne im Main austoben, macht für die Region Sinn: Nonnenklöster gab es in Himmelthal, wo Zisterzienserinnen von 1232 bis etwa um 1560 wirkten (aufgehoben 1568); in Schmerlenbach mit Benediktinerinnen (von 1218 bis zur Säkularisierung 1803); auf dem Gotthardsberg zwischen Weilbach und Amorbach (vermutlich 14. Jahrhundert). Vor allem um die Nonnen von Kloster Himmelthal ranken sich teilweise sehr weltliche Sagen.
Der amerikanische Komödien-Autor Dan Goggin (geboren 1943) griff nach seiner Schulzeit bei Dominikanerinnen eben diesen weltlichen Aspekt im allgemeinen Klosterleben auf und kreierte 1984 mit dem Buchautor Steve Hayes das Kabarett »The Nunsense Story«. Zwei Jahre später inszenierte Goggin das Stück als Musical-Komödie und erhielt dafür den Outer Circle Award als bestes Off-Broadway-Musical. Nach dem Musical »The Fantasticks« (1960) gilt »Nunsense« -so das US-amerikanische Original als erfolgreichste Off-Broadwayproduktion. Bisher wurde es in mehr als 5000 Inszenierungen und Übersetzungen in 25 Sprachen aufgeführt.


Main-Echo am 1. Juli 2010

Erlebnisreise ins Land der Träume

Premiere: Eine Stunde kurzweilige Unterhaltung mit dem Theaterstück »Oh, wie schön ist Panama«

Laudenbach »Das ist Panama«, tönte eine helle Kinderstimme aus der ersten Reihe, als das Bühnenbild eine verschneite Landschaft zeigte. »Quatsch, die sind am Nordpol«, widersprach ein Dreikäsehoch zwei Plätze weiter.

856038_1_xipanama_me
Mit Witz und Spielfreude begeisterten von links Erich May, Eva Reinold, Daniel Soran und Dieter Schaller bei der Premiere des Kinderstücks »Oh, wie schön ist Panama«. Foto: Ruth Weitz

Die Beiden befanden sich mit rund 100 weiteren Kindern im Theaterzelt auf der Mainwiese in Laudenbach, um am Mittwochvormittag die Premiere des Theaterstücks »Oh, wie schön ist Panama«, aufgeführt vom Maintal-Theater, zu erleben.
Sie verfolgten die spannende Reise von Bär (Daniel Soran) und Tiger (Eva Reinold) mit der Tigerente im Schlepptau, um das Land ihrer Träume zu finden. Animiert von dem »wunderherrlichen« Geruch nach Bananen, der einer Kiste mit der Aufschrift »Panama« entströmte, hatten die beiden sich auf den Weg gemacht, um den Ursprungsort dieses Dufts zu finden.
Die Begegnung mit unterschiedlichen Landschaften und Kulturen, witzigen und netten Tieren (Erich May und Dieter Schaller) sowie spannende Erlebnisse prägten diese Exkursion, die letztlich zurück nach Hause führte, wo die beiden all das fanden, was ihr Herz begehrte.
Quietschfidele Schauspieler
Quietschfidele Schauspieler, eine pfiffige Handlung, fantasievolle Kostüme, ein ideenreiches Bühnenbild und viel Musik prägten eine Stunde bestes Kindertheater, bei dem nicht nur die kleinen Zuschauer, sondern auch ihre Begleiter eine Menge Spaß hatten und viel Zwischenapplaus spendeten.
Erika und Alfred Zenger (Laudenbach) hatten für das wechselnde Bühnenbild gesorgt, in dem sie verschiedene Landschaften auf weiße Laken gemalt hatten, die beim Szenenwechsel an einer Gardinenschnur aufgezogen wurden. Nadelflink und mit viel Fantasie hatte Waltraud Günther (Klingenberg) die Kostüme geschaffen und hier das Auge verwöhnt. Eva Reinold überzeugte durch lebendiges Minenspiel und quirlige Bewegungen als kleiner Tiger. Ihr musikalisches Talent kam zur Geltung, als sie zur Gitarre griff und mit Daniel Soran, Erich May und Dieter Schaller »Panama ist wunderbar« trällerte und alle zusammen tanzten.
Zum Knuddeln putzig zeigte sich Daniel Soran als kleiner Bär, dem die Freundschaft zum kleinen Tiger über alles geht. Auf den Leib geschneidert hatte Regisseur Georg Mittendrein die Nebenrollen der Tiere den beiden heimischen Gewächsen Dieter Schaller aus Obernburg und Erich May aus Laudenbach. Als Postbote mit Hasenohren und -schwänzchen, als verliebter Esel mit französischem Akzent und als »very british« agierender Fuchs mit Schottenrock bewies Dieter Schaller seine Wandlungsfähigkeit. Erich May war die ideale Besetzung für die Verkörperung der singenden Kuh, des aufgeregten Marienkäfers und des russischen Bären. Seine üppige Figur und die sonore Bassstimme unterstrichen die Charaktere seiner Figuren. Seine unbändige Spielfreude setzte dem noch ein i-Tüpfelchen auf.
Die kleinen Zuschauer klatschten begeistert mit, als das Schlusslied erklang. Der Intendant zeigte eine zufriedene Miene über die gelungene Zweifachpremiere. „Ich hatte noch nie einen Altbürgermeister als Bühnenbildner“, erklärte Georg Mittendrein, warum es eine Zweifachpremiere war.
Ruth Weitz

Main-Echo am 25. Juni 2010

Daheim ist es am schönsten

Kinderstück: Georg Mittendrein führt mit seinem Ensemble Janoschs »Oh wie schön ist Panama« auf

Laudenbach »Ihr ward’s a bisserl zu schnell«, sagt Georg Mittendrein, rückt seine Brille zurecht und schiebt der kritischen Anmerkung gleich ein Lob nach: »Es war aber schon gut, gut gut«. Im Dachgeschoss des Laudenbacher Fußballer-Heims proben seit 10. Juni vier Schauspieler das Kinderstück »Oh, wie schön ist Panama« nach dem gleichnamigen Buch von Janosch.

panamahp7
Als russischer Bär mit tiefer Bassstimme und hochprozentigem Bärensaft löst Erich May (links) zunächst Skepsis bei dem kleinen Bären (Daniel Soran) und dem kleinen Tiger (Eva Reinold) aus. Foto: Ruth Weitz

Es ist ab 30. Juni vier Wochen im Theaterzelt auf dem Festplatz zu sehen. Aufgeführt wird es vom Maintal-Theater, dessen Vorsitzender Georg Mittendrein ist, dazu Intendant und Regisseur.


Behäbig und dennoch dynamisch
Die quirlige Eva Reinold, Darstellerin des kleinen Tigers, hüpft wie ein Ball über den Boden und springt ihrem Gegenpart Daniel Soran in die Arme, der sie herumwirbelt, dass ihr Pferdeschwanz aus der Senkrechten in die Waagrechte saust.
Daniel Soran verkörpert den kleinen, behäbigen Bären. Dennoch geht eine gewisse Dynamik von ihm aus, besonders dann, wenn er mit Eva Reinold tanzt oder sie Huckepack nimmt. Plötzlich ein lauter Knall. Die beiden zucken zusammen, und auch Erich May und Dieter Schaller, die im Hintergrund auf ihren Einsatz warten, sind erschrocken.
»Schon gut«, beruhigt sie Mittendrein und legt eine rote Kladde mit dem Textmanuskript auf den Tisch zurück. Mit ihr hat er eine Fliege erschlagen, die ständig um seine Nase herum brummte und ihm die Konzentration raubte. Also kein Wutausbruch über eine schlecht gespielte Szene, sondern ein schlichter Fliegenmord, der Ursache des Knalls war. Erich May schiebt sich unaufgeregt zwischen Reinold und Soran und trällert mit sonorem Bass ein Lied nach der Melodie von »Kalinka«. Er mimt einen russischen Bären, dem die beiden Protagonisten auf ihrer Reise nach Panama begegnen. »Bärensaft gibt Bären Kraft«, singt er.
Szenenwechsel: Der Schluss des Stücks wird geprobt. Bär und Tiger sind nach ihrer Rundreise wieder nach Hause gekommen. Panama haben sie zwar nicht gefunden, aber in ihnen ist die Erkenntnis gereift, dass es daheim am schönsten ist und dort das Land ihrer Träume liegt.
Da freut sich der Postbote, dargestellt von Dieter Schaller, gibt sich geschäftig, während sich der Marienkäfer (Erich May) mit wibbeligem Fingerspiel über die kurze Reise von Bär und Tiger echauffiert.
Eva Reinold schnappt sich eine Gitarre, spielt ein paar schnelle Akkorde, zu denen alle vier das Schlusslied singen. Das geht dem Regisseur etwas zu schnell, und Dieter Schaller sagt lächelnd mit gespieltem Vorwurf zu Eva Reinold: »Du machst uns ganz durcheinander«.
»Verbeugen, verbeugen«, diktiert Georg Mittendrein. »Beifall, Beifall, Zugabe - und Schluss.« Der Intendant hebt den Arm und gestikuliert wie ein Dirigent, der seinen Taktstock sinken lässt. »So, jetzt werdet ihr zum Zeltbau engagiert. Kunst kann ein jeder, aber ein Zelt aufstellen…«, den letzten Teil des Satzes lässt er in der Luft hängen und entlässt die Schauspieler in eine Pause.
Ruth Weitz

Karten im Büro des Maintal-Theaters, Obernburger Straße 20, Laudenbach,
Tel. 0 93 72 / 9 47 47 41,
www.maintal-theater.de


Main-Echo am 1. Juni 2010


»Auch ein Strohfeuer kann wärmen - für eine Zeit«

Theater: Schauspielerin Heide Hoffmann überzeugte in Baryllis »Penny Lane« im Weingut Wörth - Überragende künstlerische Leistung


Wörth.
»Wie soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich rede?« Susanne, eine - noch - junge Frau, die in Wörth von Heide Hoffmann überzeugend verkörpert wird, spricht diesen Satz gleich dreimal in ihr »Apple-Talk-Soft-und-Always-3000«-Programm, das über Head-Set samt Mikrophon und Laptop über eine Infrarotschnittstelle Sprache in geschriebenen Text umsetzt.

Sie »spricht« mit einer imaginären Freundin, die nicht online ist und deshalb auch nicht reagieren kann, und sie spricht fast alle Satzzeichen mit, damit der »Gefährte mit der Schnittstelle« nicht so verwirrt wird wie Peter, ihr letzter Geliebter, dem sie immer noch nachtrauert - auch wenn sie es sich nicht eingestehen will.
Susanne ist ein moderner Single, für den virtuelle Kommunikation den großen Vorzug hat, dass man sich nicht schutzlos Begegnungen aussetzen muss - und den Nachteil, dass man letztlich mit all der Technik in der eigenen Wohnung doch allein ist. Gabriel Barylli, von »Cosmopolitan« als »Antwort Europa auf Woody Allan« bezeichnet, gilt als äußerst erfolgreiches Multitalent als Autor, Schauspieler und Regisseur, und wer die einstündige Aufführung des Einpersonenstücks »Penny Lane« im Weingut in Wörth - organisiert von Georg Mittendreins »Maintal-Theater« - gesehen hat, weiß, wie diese Erfolg zustande gekommen sind und kommen.
Zugegeben: Über weite Strecken erinnert »Penny Lane« an gut gemachtes Boulevardtheater ohne allzu viel Tiefgang.
Barylli hat immer wieder »kreative Anleihen« genutzt, hat eine moderne Version von Walsers »Zimmerschlacht« geschrieben, hat Monologpassagen verfasst, die stellenweise an erfolgreiche Vorbilder erinnern wie an die kindlich-erotischen Monologe der jungen Nastassja Kinski im Tatort »Reifezeugnis«, und er hat vor allem einen weichgespülten Schluss verfasst, der angebliche oder tatsächliche Publikumserwartungen so erfüllt, dass er knapp am Kitsch vorbei schrammt. Insgesamt aber kann man sich bei »Penny Lane« eine Stunde lang gut unterhalten.
Tage zuvor ausverkauft
Das liegt ganz sicher auch an der ausgezeichneten Schauspielerleistung von Heide Hoffmann, die in Wörth ein Heimspiel hatte und dafür verantwortlich war, dass die Veranstaltung mit 120 Zuschauern schon Tage zuvor ausverkauft war. Heide Hoffmann, die sich an Häusern wie dem Torturmtheater Sommerhausen, in Quedlinburg, Marburg und Linz einen guten Namen gemacht hat, brillierte mit einer sicheren Textbeherrschung, mit einer Vielfalt an gestisch-mimischen Mitteln und mit einer ausdrucksstarken und variantenreichen Intonation, die alle Hochs und Tiefs von Stimmungswechseln und Berg- und Talfahrten der Erinnerung überzeugend auf die Bühne brachte.
Das karge Bühnenbild mit dem Laptop und der Kaffeemaschine als Hauptrequisiten richtete den Focus intensiv auf die Künstlerin und setzte sie der geballten Aufmerksamkeit auch der Zuschauer aus, die keine eingeschworenen Fans der Stücke von Barylli sind - eine Prüfung, die Heide Hoffmann von der ersten bis zur letzten Minute bestand. Keinen Moment lang sackte die Spannung ab, schön ausgespielte Selbstironie, die Mischung von kindlich-naiver Sentimentalität beim Singen des »Penny Lane« und der abrupte Wechsel in angedeutete Tiefen der Verzweiflung ließ die »gescheiteren Vorstöße in die Außenwelt« überzeugend geraten und machte den Schluss mit seinem »Du hast mein Herz berührt« genießbar.
Mehr als ein Heimspiel
»Auch ein Strohfeuer kann wärmen - für eine Zeit« heißt es im Stück. Dass das Feuer in Wörth 60 Minuten lang loderte und die junge Schauspielerin am Ende sechs Mal auf die Bühne kommen musste, hatte dann nichts mehr mit dem »Heimspiel« zu tun, sondern war der Lohn für eine rundum überzeugende künstlerische Leistung.

Heinz Linduschka


Main-Echo am 15.April 2010

Mittendrein sucht den Supertrommler

Casting: Maintal-Theater lockt drei Bewerber für Schlagzeug-Part im Musical an - Harte Woche vor Premiere

Klingenberg-Trennfurt »Die Nonnen kommen am 8. Juli, dann muss tagtäglich geprobt werden«, drängt Regisseur Georg Mittendrein. Der Regisseur steckt mitten in den Vorbereitungen zum Musical »Non(n)sens«, das ab 15. Juli auf dem Spielplan des Maintal-Theaters steht. Am Dienstagabend hat er im Trennfurter Pfarrheim ein Schlagzeug-Casting angesetzt, um einen Musiker mit starkem Rhythmusgefühl für die musikalische Begleitung zu finden.
cast5

Konzentriert hört Andreas Seizer auf das Gitarrenspiel von Christian Schmitt, um es rhythmisch zu begleiten. Michael Fernbach schaut ihm dabei über die Schulter. Foto: Ruth Weitz

Drei Bewerber sind gekommen. Christian Schmitt aus Laudenbach, musikalischer Leiter des Maintal-Theaters und Cheftrommler, bereitet den Einstieg vor. »Es geht darum, ein paar Rhythmen zu spielen, um zu sehen, was der Einzelne so drauf hat«, sagt er. Schmitt hat im vergangenen Jahr auf der Flussbühne im Main die »Rock Brothers« rhythmisch begleitet, doch diesmal hat er Terminprobleme und kann deshalb nicht selbst die Trommelstöcke schwingen.
Der jüngste Bewerber, Maxi Hohmann aus Trennfurt, ist als erster an der Reihe. Unbefangen legt der Schüler los, beäugt von Mittendrein und seiner Frau Irene Budischowsky, die in »Non(n)sens« die Hauptrolle spielen soll. Beide haben in gebührendem Abstand zum Schlagzeug zwei Tische zusammengestellt und Notizblätter bereit gelegt, auf die sie Anmerkungen notieren.
»Prima - vielen Dank«
Keyboarder Michael Fernbach lehnt lässig an einer Säule und beweg sich im Takt, als Hohmann, begleitet von Schmitt an der Gitarre, als ersten Beitrag einen lockeren Shuttle präsentiert. Sechsachtel-Blues, Polka, Walzer, Swing, Tango und - wie soll es anders sein - Rock’n’Roll - sind gefordert. Zum Schluss noch ein bisschen Country und südamerikanischer Rhythmus. »Prima - vielen Dank«, ist Mittendreins Kommentar, genauso wie für den zweiten Trommler, Wolfgang Krapf aus Aschaffenburg.
»Wir probieren es«, sagt Andreas Seizer aus Umpfenbach, als Schmitt ihn auffordert, südamerikanisches Temperament zu verströmen. Keyboarder Fernbach schaut dem dritten Bewerber über die Schulte. »Gut, gut, gut«, sagt Mittendrein, als Seizer die Trommelstöcke sinken lässt.
Doch mit der Entscheidung, wer nun bei »Non(n)sens« trommeln darf, macht es Mittendrein spannend: Erst einmal erklärt er allen Bewerbern, was sie zu beachten hätten, wenn sie denn genommen würden. »Ihr kriegt ein fertiges Playback, wonach ihr proben könnt. Das ist am 1. Mai fertig, also habt ihr gut zwei Monate Zeit«, erklärt der Regisseur und weist auf die harte Probenzeit eine Woche vor der Premiere am 15. August hin, wenn Musiker und Schauspielerinnen nahezu rund um die Uhr an Bord der Mainbühne sein müssen. »Wenn die Madeln da sind, müsst’s ihr zusammen mit ihnen spielen, damit sie hören, wie’s klingt«, sagt der Regisseur weiter und weist auf das Wetter als Risikofaktor hin.
»Das Publikum ist gnadenlos«
»Um 19.30 Uhr vor der Vorstellung muss alles stehen. Das heißt, 19 Uhr Anwesenheit ist Deadline. Tut mir leid, dass ich so streng sein muss, aber das Publikum ist gnadenlos". Der Theaterleiter setzt eine ernste Miene auf, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen und sagt: »Wir geben ihnen morgen telefonisch Bescheid.«
Die Bewerber verlassen den Saal und lassen die Jury aus Mittendrein, Budischowsky und Schmitt zur Beratung zurück. Ihr Votum: Andreas Seizer darf bei der Aufführung spielen. Der Musiklehrer hat die Jury mit seinem Rhythmusgefühl überzeugt.
Ruth Weitz

 

Main-Echo am 12. März 2010

Mit heiserer Härte dem Dramatiker gehuldigt

Brecht-Abend: Maintal-Theater beeindruckt mit »Die Liebe und der Haifisch« im Kleinheubacher Schloss

Kleinheubach »Und der Haifisch, der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht« heißt es im berühmtesten aller Texte von Bertolt Brecht, der »Moritat von Mackie Messer«. Mit dieser oft allzu offensichtlichen Schärfe der Brecht-Gedichte und -Songs schmückte sich ein Abend, den Regisseur Georg Mittendrein zusammen mit Dieter Schaller als Hommage an Brecht inszenierte.

»Was lächelt die dabei?«: Mirjam Wolf sang Lieder aus der »Dreigroschenoper« beim Brecht-Abend des Maintal-Theaters in Kleinheubach.
Foto: Daniela Tiggemann

Im dunklen Gewölbe des ausverkauften Gardistenkellers des Kleinheubacher Schlosses wurde so für das im Sommer wieder bespielte Maintal-Theater in Laudenbach geworben.
Hatte man in den 70er und 80er Jahren in Brecht-Programmen vor allem den politischen Querdenker auf die Bühne gestellt, verquickten Mittendrein und Schaller nun wenige der etwas aus der Mode gekommenen zeitkritischen Texte des großen Dichters mit seinen Gedichten von Liebe und Begierde. Unterteilt wurde das Programm ganz im Sinne des Epischen Theaters mit Kapitelüberschriften von »Und es verschlug Begierde mir die Stimme« bis »Die Staatsbürgerschaft«.
Denn: Am 12. April jährt es sich zum 60. Mal, dass der nach der Ausbürgerung durch die Nazis staatenlose Brecht die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt. »Ein politischer Skandal ersten Ranges« entzündete sich an diesem Akt, wie der Wiener Mittendrein anhand von Zitaten dem fassungslosen Publikum zeigte. Der bekennende Kommunist Brecht lebte damals in Ostberlin, so dass ihn die Salzburger Presse als »ostzonalen Hausdichter« diffamierte. »Auf welchem Weg der Edelmarder in den Salzburger Hühnerstall eingebrochen ist«, fragte sich der Herausgeber der Salzburger Nachrichten mit Häme. Politiker echauffierten sich nicht weniger, dass die Regierung sich wohl nicht der Gefahr der »planmäßigen kommunistischen Infiltration Österreichs« bewusst sei. Brecht aber hatte gar kein Interesse an dem kleinen neutralen Land. Zumal die Theater in Wien bis 1963 seine Stücke boykottierten.
»Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!«, sorgte sich der Dichter stattdessen. Während Mittendrein sonst in der Region gern Wiener Abende mit Wienerliedern und Couplets inszeniert, muss er bei Brecht seine Schauspieler an die Kandare nehmen, lässt eher nüchtern und illusionsfrei rezitieren. Doch manches Mal ging es mit Schaller durch, der Vollblutschauspieler und weit geschätzte Rezitator kitzelte doch den Text und damit auch die Lachmuskeln seiner höchst aufmerksamen Zuhörer.
Ausgerechnet das jüngste Talent auf der kleinen Bühne im Schlosskeller schien kein Problem mit Brechts Forderung nach der Distanz des Schauspielers zu haben. Die zehnjährige Helen Breunig sang und sprach in einer Haltung, als wäre sie die wahre Nachfolgerin von Helene Weigel: stolz, aufrecht, gerade und wahr.
Da erschien das Lied von der Moldau als unheimliche Vorhersage mit seinem »Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine. Es wechseln die Zeiten. Die riesigen Pläne der Mächtigen kommen am Ende zum Halt.« Breunig fiel im letzten Jahr beim Theaterworkshop für Kinder in Laudenbach auf - offensichtlich eine Nachwuchsschmiede am theaterbegeisterten Untermain.
Mirjam Wolf, Musicaldarstellerin aus Hanau, wo sie seit ein paar Jahren in den Musicals der Grimm-Festspiele auftritt, sang Lieder aus der Dreigroschenoper. Spröde, mit herbem Charme und kalter, heiserer Härte brachte sie die Songs von Kurt Weill, begleitet von Joachim Hammer am Keyboard und Florian Wöber an der Gitarre. Auffallend ihr wissendes Lächeln, ganz textgetreu die Frage provozierend: »Was lächelt die dabei?«

Daniela Tiggemann

Main-Echo am 9. März 2010

»Leute wie ich sind unregierbar«

Maintal-Theater: Glanzvoller Abend »Best of Georg Kreisler« im Löwensteinschen Gardistenkeller

Kleinheubach.                                                   
Wer vor knapp 30 Jahren einen Liveauftritt Georg Kreislers mit seiner Frau Barbara Peters erlebt hat, hatte am Freitagabend im Gardistenkeller in Schloss Kleinheubach so etwas wie ein Déjà-vu-Erlebnis, als er Michael Fernbach und Irene Budischowski mit zwei Dutzend Liedern Kreislers erleben durfte. Und das, obwohl die beiden Künstler unter der Regie von Georg Mittendrein alles andere als eine platte Kopie der Originale boten.

 

kreishl

Sie erinnerten an Georg Kreisler und Barbara Peters: Irene Budschikowski und Michael Fernbach beim Abend »Best of Georg Kreisler«. Foto: Heinz Linduschka

 

Das begann schon mit dem Lied, das Kreisler heute fast schon bereut, wenn er sagt: »Das klebt an mir - dabei ist es so ein banales Lied.« Sollte das so sein, dann lässt man sich eine solche Banalität gerne gefallen, die angesichts der Comedywelle längst zum kulturellen Highlight mutiert ist.
Kleine Boshaftigkeiten
Schon hier wurde deutlich, was die gut 60 Besucher im stimmungsvollen Ambiente des Gardistenkellers erwartete: kurzweilige, im besten Sinn gepflegte Unterhaltung mit erfrischenden kleinen Bosheiten, verblüffenden Wahrheiten und manchmal erschreckendem schwarzen Humor.
Es war Unterhaltung, die Irene Budischowsky mit souveränem Auftreten, einem breiten Spektrum an stimmlichen und mimisch-gestischen Ausdrucksmöglichkeiten und mit geschulter Stimme bot, während Michael Fernbach seine eigene Version des Georg Kreisler lieferte.
Jünger als das Original
Fernbach war jünger, stellenweise ein bisschen verbindlicher, manchmal etwas weniger »hinterfotzig« als Kreiser, aber immer in geschlossener, überzeugender Haltung, bei der so mancher den fast maskenhaft ernsten Gesichtsausdruck in jeder Lage bewundert haben mag.
Besonders gelungen: Die beiden Akteure sangen die Lieder aus der fast unüberschaubaren Fülle Kreisler-Titel, die ihnen auf den Leib geschnitten schienen.
Zwischen Ballade und Bänkelsang
Irene Budischowski war mal Feme fatale, mal kleines, süßes »Maderl«, mal die Frau von Welt, mal die Theaterdiva, die ihrem Regisseur in einer brillanten Szene um den Bart geht, mal mit großer Überzeugungskraft die »Frau Schmidt«, die Frau, die nichts dafür kann, dass ihr Vater Antisemit war, und als Stimme des »gesunden Volksempfindens« ihr Unwesen treibt.
Michael Fernbach begeisterte die Zuhörer vor allem mit den schnellen, den temporeichen Liedern, die zwischen Balladen und Bänkelsang changieren, wie der »Telefonbuch Polka«, der Elternklage vom missratenen Sohn, dem »General«, mit dem kohlrabenschwarzen Humor in »Der gute alte Franz«.
Komische Verzweiflung
Und er sorgte für Lachsalven mit seiner komischen Verzweiflung in »Mein Weib will mich verlassen / - Gott sei Dank! / Ich kann es gar nicht fassen / - Is’ sie krank? / Was will sie plötzlich wandern / - Und wohin? / Vielleicht hat sie 'nen Andern / - No, das is’ Pech für ihn.«
Der zweistündige Abend im Gardistenkeller bot mit den Überleitungen und mit Zwischentexten eine ebenso lockere wie informative Biografie des heute 88-jährigen Georg Kreisler, eine Biografie mit einer bemerkenswerten Auswahl an pointierten und charakteristischen Selbstaussagen wie »Leute wie ich sind unregierbar« oder »Ich glaube nicht, dass ich mir sympathisch wäre, wenn ich mich auf einer Cocktailparty träfe.«
Zugegeben: Bei Georg Kreisler kann man sich nie so ganz sicher sein. Aber dennoch dürfte die Vermutung nicht allzu gewagt sein, dass selbst ihm der Abend im Gardistenkeller Spaß gemacht hätte.
Heinz Linduschka


 

Saison 2009

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 9. August 2009

Rubrik "Leute der Woche"

Georg Mittendrein, Stehaufmännchen, hat sich von seiner Kündigung als Intendant der Clingenburg Festspiele nicht entmutigen lassen. Der Österreicher gründete ein neues Theater und bewies mit dem Spielort, dass ihm die Ideen nicht ausgegangen sind. Die Bühne befindet sich im Main, die Zuschauer sitzen am Ufer, und am Donnerstag war die umjubelte Premiere.

see3

Foto: Ruth Weitz


Frankfurter Allgemeine Zeitung am 8. August 2009

Schwimmende Bühne im Main

Theater im Fluss: Georg Mittendrein präsentiert in Laudenbach die Satire „Auf hoher See und das Musik-Theaterstück „Rock Brothers“. Die Vorstellungen laufen bis zum 29. August

Von Agnes Schönberger

Laudenbach. Ein Frachtschiff tuckert vorbei. „No Fear“ steht auf dem Bug. Doch dieser Aufforderung hätte es gar nicht bedurft. Denn das Premierenpublikum in dem kleinen Örtchen Laudenbach im Kreis Miltenberg, das am Donnerstagbend gespannt den Beginn der Theateraufführung auf der schwimmenden Bühne im Main erwartet, ist bestens gelaunt. „Auf dem Fluss geht’s ja zu wie auf der Autobahn. Nur Holländer sind unterwegs“, sagt ein Mann und sorgt mit dieser Bemerkung für die ersten Lacher.  Doch bevor es losgeht, müssen sich die 300 Besucher gedulden. Der frühere Intendant der Clingenburg-Festspiele und Gründer des Maintal-Theaters, Georg Mittendrein, hält eine kurze Ansprache.

Das sei zwar unüblich „und sogar eine Unart“, gibt er zu. Aber aufgrund der Umstände, die zu der Theatergründung geführt hatten, halte er die Rede gar für geboten, sagt er. Mittdendrein war im vergangenen Jahr vom Clingenburger Festspielverein vor Ablauf seines Vertrags fristlos gekündigt worden. Zu Unrecht, wie er findet. Der gebürtige Österreicher klagt gegen seine Entlassung. Eine Entscheidung steht noch aus.

Anfang Juli stand das ehrgeizige Theaterprojekt kurz vor dem Aus – trotz des Ehrenschutzes (der österreichische Begriff für Schirmherrschaft), den der österreichische Botschafter fin Deutschland, Ralph Scheide, für das Theater im Main übernommen hatte. Unbekannte hatten die Ponton-Rohre der Bühne angebohrt, die daraufhin zu versinken drohte. An einen „Bubenstreich“ glaubt Mittendrein nicht, sondern er vermutet Sabotage seiner Widersacher, die er stromaufwärts vermutet. Doch der umtriebige Theatermann ließ sich auch durch das „Attentat“ nicht von seinem Vorhaben abbringen, im Fluss für ein Publikzm am Fluss Theater zu machen.

Er selbst nimmt das Motto wörtlich und spielt in einer kleinen Nebenrolle einen Lakaien im Wasser, der sich auf Geheiß seines Chefs ertränkt. Trotz der Misstöne im Vorfeld geriet die Premiere auch dank einer lauen Sommernacht und einer ungewöhnlichen Kulisse mit vorbeifahrenden Schiffen und Booten, Sapziergängern, Badenden sowie Radlern am anderen Mainufer zu einem unbeschwerten und umjubelten Theaterabend.

Als erstes Stück wurde der Theaterklassiker „Auf hoher See“ des Polen Slawomir Mrozek gespielt. Es handelt von drei Männern auf einem Floß, die so an Hunger leiden, das sich einer als Überlebensmahlzeit für die anderen opfern soll. Der bitterböse und gleichzeitig sehr witzige Einakter ist eine Parabel auf Machtspiele und die Verführbarkeit der Menschen. Weil in einer Demokratie auch Kannibalismus Verhandlungssache ist, führen die drei Männer auf dem Floß Wahlkampf, „um das brennende Problem der Lebensmittelversorgung zu lösen“. Doch als vier (stat drei) Abstimmungszettel im Hut liegen, ist die „Staatskrise“ da. Keiner will sich freiwillig opfern. Doch dann wird der Tisch gedeckt, der Fleischwolf aus der Kiste geholt und drohend die Pfanne geschwenkt. „Auf hoher See“ ist eine grimmige Groteske und zugleich sehr komisch. Den zweiten Teil des Abends bestreiten die „Rock Brothers“.

Dabei handelt es sich um eine Fantasieband, die zufällig mit ihrem Floß an den Gestaden von Laudenbach landet. Dort entdecken die Musiker eine Zuschauerbühne, die voll besetzt ist mit Rock’n-Roll-Fans. Die Musiker sorgen für einen hammerharten Sound. Bei Hits von Elvis, Buddy Holly und Chuck Berry hält es das Publikum nicht lange auf den Bänken. Die Zuschauer wippen und klatschen.

Die Mischung aus Rockkonzert und Bühnenstück ist eine Eigenschöpfung Mittendreins. Bei der wilden Performance der „Rockstars“ gerät die schwimmende Bühne zeitweise ins Schlingern. Doch das ist beabsichtigt. Inzwischen ist der Vollmond über den Hügeln aufgegangen. Ein Frachtschiff fährt vorbei. Es heißt „Fidente“ (vertrauend). Und natürlich ist es wieder ein Holländer.


Main-Echo am 1. September 2009

Gewitzte Lausbuben und erstes Liebesgeflüster

Workshop: Kinder aus dem ganzen Landkreis zeigen in Laudenbach Szenen aus Mark Twains "Tom Sawyer und Huckleberry Finn"

Laudenbach - Gewitzte Lausbubenstreiche, erstes Liebesgeflüster und viel Situationskomik - das haben am Sonntag 15 Kinder geboten, die beim Workshop des Maintal-Theaters vom 17. bis 30. August teilgenommen hatten. Vor rund 50 Zuschauern zeigten sie Szenen frei nach Mark Twains Geschichte von Tom Sawyer und Huckleberry Finn.

me_workshop

Der erste Kuss - aber nur gespielt: Die jungen Darsteller des Kindertheaters in Laudenbach zeigten, wie sehr Mark Twains Tom Sawyer (David Fengler) seine Angebetete Becky Thatcher (Vanessa Billert) verehrt.

Foto: Ruth Weitz

Die Hauptrollen waren mit David Fengler (Tom), Frieda Göhler (Huck), beide aus Erlenbach sowie Vanessa Billert (Becky Thatcher) aus Klingenberg und Augustina zu Löwenstein (Pastorin der Sonntagsschule) aus Laudenbach besetzt.

Viel Situationskomik

In eine knappe dreiviertel Stunde war ein turbulentes Theaterstück verpackt, das der Schauspieler Daniel Soran mit Unterstützung von Erich May und Birgit Lüft-Väthröder mit den Kindern einstudiert hatte. Dabei durften die jungen Debütanten aus Erlenbach, Großheubach, Klingenberg und Laudenbach ihre eigenen Ideen mit einfließen lassen. Die Lausbubengeschichte von Mark Twain lieferte ihnen dabei eine Steilvorlage. Wenn sich die Handlung auch nicht ganz genau an den Inhalt des Literaturklassikers hielt, so waren die Figuren um so klarer gezeichnet. Es war eine Freude, den Kindern zuzuschauen, wie konzentriert und mit Freude sie Dialoge führten, mit Körpersprache und Situationskomik unterstrichen. Wenn auf dem Main vorbei brausende Motorschiffemanchmal den Text für die Zuschauer unhörbar machten, so war die Handlung durch ausgefeilte Mimik und Gestik doch immer nachvollziehbar.
Erschienen war Mark Twains Buch vor mehr als 130 Jahren, doch die Inhalte sind auf die heutige Zeit übertragbar. Gewitzte Buben, die aus einer misslichen Situation das beste herausholen, erstes Liebesgeflüster, nicht immer pädagogisch sinnvolle Erziehungsmethoden und fragwürdige Reglementierungen seitens der Obrigkeit haben auch heute nicht an Aktualität verloren.

Twain hatte mit den Abenteuern von Tom Sawyer und Huckleberry Finn den Startschuss für seinen Ruf als einer der bedeutendsten Autoren der amerikanischen Literatur gesetzt.

Wichtigtuerische Pastorin

Nur zart ließ er in diesem Werk Witz, Ironie, Satire und Gesellschaftskritik anklingen, was in seinen späteren Werken seine Karriere als Schriftsteller beförderte und ihn berühmt machte. Den Kindern in Laudenbach war es dank professioneller Anleitung und eigener Kreativität gelungen, den Witz herauszuarbeiten und die Inhalte auf amüsante Weise zu transportieren. Tom Sawyer ziemlich schüchtern und ungeschickt seiner Angebeteten Becky Thatcher das Küssen zeigen wollte oder die Pastorin der Sonntagsschule mit wichtigtuerischer Geste den pfiffigen Schülern Antworten abverlangte, war ein amüsiertes Glucksen in den Zuschauerreihen zu vernehmen. Den Schluss hatten die Kinder musikalisch gestaltet und verabschiedeten sich mit dem Lied "Heute ist so ein schöner Tag - schubidubidu!", das sie auf das Stück entsprechend umgetextet hatten. ruw

 

Main-Echo am 11. August 2009

Einhorn und Riesen auf der Mainwiese

Märchenstunde: Schauspieler Kajetan Dick erzählt in Laudenbach im Rahmen des Main-Echo-Ferienkalenders vom tapferen Schneiderlein

hier zur Bildergalerie im Main-Netz

 

Laudenbach - Auf einen Streich hat Märchenerzähler Kajetan Dick am Samstagnachmittag 20 Kinder und ihre Eltern in seinen Bann gezogen. Mit dem Märchen vom tapferen Schneiderlein verzauberte der gebürtige Wiener Schauspieler und Märchenerzähler seine Zuhörer am Mainufer im Rahmen des Main-Echo-Ferienkalenders.

kajetan_erzaehlt

Mit sonorer Stimme und großer Spielfreude hat der Schauspieler und Märchenerzähler Kajetan Dick im Rahmen des Main-Echo-Ferienkalenders am Samstag in Laudenbach in seinen Bann gezogen. Er berichtete von den Abenteuern des tapferen Schneiderleins.

Foto: Lena Schneider

 

Dick erzählte getreu nach den Gebrüdern Grimm, wie der Schneider zwei grausame Riesen bekämpft und mit List und Selbstbewusstsein die versprochene Königstocher gewinnt.

Die Aufmerksamkeit der Kinder hatten bereits rosa Knister-Lollis geweckt, die das Main-Echo verteilt hatte. Doch nach seinem sonoren "Willkommen" lauschten die Kinder gebannt jedem Wort Dicks und wendeten ihren Blick nicht mehr von ihm ab.

Von Unruhe oder Unaufmerksamkeit, die sonst häufig bei Kindertheater herrscht, war nichts zu spüren. Die Kinder ließen sich vom Erzähler durch die Welt der Märchen führen. Sie folgten dem tapferen Schneiderlein durch den Wald zu den Riesen, in den Palast des Königs, machten die Bekanntschaft von Einhorn und Wildschwein.

Erzählen in freier Natur Für Dick war es eine Herausforderung, in der freien Natur Märchen zu erzählen. Doch er machte die Erfahrung, dass sich Kinder nicht so leicht von äußeren Einflüssen ablenken lassen. Die kleinen Zuhörer nahmen ein vorbeifahrendes Schiff und vorüberziehende Vögel zwar wahr, ließen sich aber nicht aus ihrer Fantasiewelt reißen.

Das Ende des Märchens war den Kindern wohlbekannt. "Und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute." Danach lud das Main-Echo Kinder und Eltern zu Kaffee und Kuchen ein. Dabei sprachen sie miteinander und mit dem Erzähler über das Märchen.

Julia fand es am schönsten, wie das Schneiderlein mit einer List das Einhorn fing. Ihr kleiner Bruder Nick machte wie der Erzähler das Grunzen des Wildschweins nach. Dem zehnjährigen Bastian, dem ältesten Zuhörer, gefiel das Märchen, weil es dem kleinen Schneider durch selbstbewusstes und geschicktes Auftreten immer wieder gelingt, die Größeren auszutricksen.

Begeistert war er, wie Dick die aufgeweckte, witzige Stimme des Schneiderleins imitierte. Einig waren sich alle Kinder, dass das Märchen vom Schneiderlein spannend ist und sie bald mal wiederkommen wollen, wenn Dick erzählt.

Drei Schneider und vier Bärte Der achtjährigen Ann Kathrin gefielen die Lieder, mit denen Dick seine Erzählung auflockerte. Sie bat ihn, ihr noch einmal das Liedchen von den drei Schneidern mit ihren Ziegen und den vier Bärten vorzusingen. Dick erzählte, dass er gerne Lieder singe, um die Kinder in eine andere Kulisse zu zaubern oder um sie ins Geschehen hineinzulocken. "Kinder mögen Lieder. Leider wird heutzutage viel zu wenig gesungen", sagte er.

Auch die Eltern waren begeistert, wie der Erzähler ihre Kinder ohne Spezialeffekte in seinen Bann zog. Das sei etwas Besonderes in einer Zeit der Dauerberieselung durch Fernsehen und Computer.

Der Gründer und Regisseur des Maintal-Theaters, Georg Mittendrein, will mit der Märchenstunde Kinder fürs Theater begeistern. Das Märchenerzählen, sagt er, sei die einfachste Form des Theaters, da der Erzähler mit geringsten Mitteln das Publikum für sich einnehme. Dick ist seit mehreren Jahren Märchenerzähler am Theater Apfelbaum in Wien. "Märchen wecken tief in den Kindern Fantasien und Empfindungen", sagt er, "sie nehmen das gar nicht bewusst war. Sie hören eine Geschichte, nehmen sie mit heim und erst langsam fängt sie in ihnen an zu wachsen." Lena Schneider

Main-Echo am 6. August 2009

Schauspielerische Herausforderung

Theater im Main: Schwimmende Bühne verlangt von den Darstellern höchste Konzentration

schauspieler

Die Hauptdarsteller beim Theater im Main, Michael Fernbach, Ralf Meyring und Christian Preuß,
sind gut drauf.

Foto: Ruth Weitz

Laudenbach. „Es ist schon etwas ungewohnt, auf einer schwimmenden Bühne zu spielen“, sagt Michael Fernbach, der beim Einakter „Auf hoher See“ von Slawomir Mrozek den Dünnen darstellen wird. Zusammen mit seinen Schauspielerkollegen Ralf Meyring und Christian Preuß wird er beim Theater im Main bei Laudenbach gleich zwei tragende Rollen spielen, denn auch beim zweiten Stück, den „Rock Brothers“ von Georg Mittendrein, sind der smarte Österreicher Fernbach, der charmante Hannoveraner Preuß und die „Rock-Kanone“ Meyring die Hauptdarsteller. Am Donnerstag, 6. August, Punkt 19.30 Uhr, wird die Premiere sein.

 

Bei den Proben hat sich herausgestellt, dass das Spielen auf dem Ponton eine große Herausforderung darstellt. „Es ist ganz anders, als auf einer herkömmlichen Freiluftbühne oder gar in dem geschlossenen Raum eines Theaters zu spielen“, sagt Ralf Meyring. Mainschiffe, die durch Wellengang die Bühne schwanken lassen, Vogelgezwitscher aus Bäumen und Büschen, Hundegebell und vorbeiradelnde hübsche Mädchen lenken ab.

 

„Das erfordert hohe Konzentration“, stellt Christian Preuß fest und berichtet, dass ihm bei einer der Proben der Krauthobel – einem Requisit, mit dem er seinen Kollegen Michael Fernbach klein hobeln soll – ins Wasser geplumpst ist, weil er einen Moment mal nicht bei der Sache war. Ob ihn das Tirili einer Amsel oder die schlanken Beine einer Radlerin abgelenkt haben, verrät er allerdings nicht. Michael Fernbach:“ Es ist allemal spannend und wir haben eine Menge Spaß“. Die Chemie stimmt zwischen den Schauspielern. Sie verstehen sich prächtig. „Auch zu den Mitgliedern der Band besteht ein herzliches Verhältnis“, sagt Regisseur Georg Mittendrein. Ihm ist es wichtig, dass die Darsteller nicht nur eine  hohe Professionalität ausstrahlen, sondern, dass es auch menschlich stimmt.

 

Mittendrein führt nicht nur Regie, sondern wirkt auch selbst als schwimmender Lakai bei beiden Einaktern mit. „Wie ein Schaumgeborener taucht er urplötzlich auf und verschwindet ebenso schnell wieder“, berichtet Ralf Meyring. Sowohl er als auch Michael Fernbach sind langjährige künstlerische Weggefährten des Regisseurs und Intendanten Mittendrein. Mit Preuß und Fernbach hat der umtriebige Theatermann schon bei den Clingenburg-Festspielen eng zusammengearbeitet. Ralph Meyring brillierte als Big Bopper bei der von Mittendrein inszenierten Buddy-Holly-Story.

 

Voraussetzung für das Engagement war, dass alle drei Protagonisten schwimmen können. „Das war die erste Frage, die uns Georg gestellt hat, als er die Verhandlungen führte“, berichtet Christian Preuß. „Kein Problem, wir haben alle das Seepferdchen“, ergänzt Ralf Meyring. Dass sie während der Aufführung ins Wasser fallen, schließen alle drei aus. „Da müsste es schon ganz dick kommen“, sagt Michael Fernbach. Durch das Attentat auf das Ponton Anfang Juli sind das Ensemble und die Backstage-Mitarbeiter sensibilisiert und halten ihre Augen besonders weit offen. „Es ist leider noch nicht herausgefunden worden, wer die Ponton-Rohre angebohrt hat“, erklärt Georg Mittendrein.

„Alles wird gut“, davon sind die Darsteller überzeugt und sich sicher, dass das Theater im Main ein richtiger Knaller sein wird. Für außergewöhnliche Inszenierungen ist Georg Mittendrein ja hinlänglich bekannt.

Ruth Weitz

 

Main-Echo am 11. Juli 2009

"Rock Queen" erleidet Schiffbruch

Maintal-Theater: Unbekannte bohren Löcher in Pontons der Schwimm-Bühne - Mehr als 3000 Euro Sachschaden

Laudenbach - Georg Mittendrein und seine Mitstreiter vom Laudenbacher Maintal-Theater hatten sich den Donnerstag anders vorgestellt: Eigentlich wollten sie die Schwimm-Bühne "Rock Queen" einweihen. Doch die Bühne versank Stück für Stück im Wasser, ein Kran musste das Konstrukt bergen. An Land zeigte sich: In die Schwimmkörper waren Löcher gebohrt. Jetzt ermittelt die Polizei.


alt

 

Bereits am Donnerstagabend war der Schaden behoben, die "Rock Queen" wieder im Wasser und fest auf dem Maingrund verankert. Dennoch ist die Aufregung groß im Maintaltheater. "Ein Lausbubenstreich kann das nicht gewesen sein", ist sich Intendant und Regisseur Georg Mittendrein sicher. "Das war ein gezielter Angriff."


Von außen nicht sichtbar Dass jemand die Bühne sehr bewusst beschädigte, bestätigt Bernhard Wenzel, Leiter der Polizeiinspektion Miltenberg, die nun Ermittlungen aufgenommen hat. Denn die Löcher in den hohlen Metall-Schwimmkörpern, so genannten Pontons, wurden durch die Öffnungen eines Lochblechs gebohrt, das Pontons und Holzbühne miteinander verbindet. Als die Maintaltheater-Mitglieder die Bühne am Mittwoch ins Wasser schoben, waren die Löcher nicht zu erkennen.


Mehr noch: Die insgesamt sieben Löcher waren so gesetzt, dass sie sich teils unter, teils über der Wasseroberfläche befanden. Es konnte also in den oberen Löchern die Luft entweichen, die vom Wasser verdrängt wurde, das in die unteren Löcher einströmte, erklärt Bautechniker Norbert Väthröder, beim Maintal-Theater zuständig für die Technik. Durch die weniger als einen Zentimeter großen Löcher gelangte das Wasser langsam, aber stetig in die Pontons.


Als die Theaterleute am Donnerstag entdeckten, dass die "Rock Queen" absank, seien sie erst ratlos gewesen, berichtet Mittendrein. Ein mobiler Kran hob die Schwimm-Bühne ans Ufer. Wegen des eingedrungenen Wassers war sie zu schwer, um herausgezogen zu werden. Erst an Land wurden die Löcher sichtbar - weil aus ihnen nun das Wasser ausströmte.


Grundstück jetzt bewacht Wann genau die Schwimmkörper beschädigt wurden, ist unklar. Das Bühnenkonstrukt lagerte auf einem Grundstück am Mainufer nördlich von Laudenbach, das frei zugänglich war, erklärt Georg Mittendrein. "Da waren wir zu blauäugig", glaubt er. Von nun an werde die Bühne bewacht.


Obwohl die "Rock Queen" wieder obenauf schwimmt, sind dem Verein für Bergung und Reparatur mindestens 3000 Euro Sachschaden entstanden. Außerdem fürchtet Mittendrein weitere Kosten: Die Metallzylinder waren von einem Großostheimer Unternehmen zur Verfügung gestellt worden; durch die Löcher haben sie vermutlich eine Wertminderung erlitten.


Der Zeitplan für die Vorbereitungen des Theaters im Main ist durch den Vorfall aber nicht durcheinandergekommen, sagt Mittendrein. Die Termine seien wegen Wetter-Unsicherheiten großzügig geplant. Die Premiere der beiden Stücke "Auf hoher See" von Slawomir Mrozek und "Rock Brothers" von Georg Mittendrein soll nach wie vor am 6. August stattfinden. Die Bühnen-Einweihung ist auf die kommende Woche verschoben.

Sabine Dreher

alt

 

 

 

Ein Mobilkran musste am Donnerstag die Schwimm-Bühne aus dem Main heben. Die Pontons waren mit Wasser vollgelaufen. Inzwischen ist die "Rock Queen" wieder fit. Fotos: Doc Winkler

 

Main-Echo am 24. Juni 2009

Ponton-Rohre für die schwimmende Bühne

Kultur Verein Maintal-Theater zeigt ab August zwei Stücke - Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Laudenbach - Es wird ein schwimmendes Theater sein, das ab 6. August am Mainufer in Laudenbach für Vergnügen sorgen wird. Veranstalter ist der Verein Maintal-Theater, der im vergangenen Herbst gegründet wurde. "Theater im und nicht am Main" lautet der Titel eines Programms, das über vier Wochen, jeweils donnerstags bis samstags gezeigt wird. Die Bühne ist ein Ponton. Die Vorarbeiten für die schwimmende Bühne fanden in der vergangenen Woche statt.

ponton
Die schwimmende Bühne für das Theater im Main nimmt Form an. Ruth Weitz

Die zwei für das Floß erforderlichen Ponton-Rohre wurden vom Kiesabbau-Unternehmen Orgeldinger in Großwallstadt zur Verfügung gestellt. Mitarbeiter des Laudenbacher Bauhofs holten die neun Meter langen Rohre, die einen Durchmesser von 65 Zentimeter haben, unter Federführung von Dieter Stahl am Dienstag ab. Mit angepackt haben auch Gerhard Hintersehr und Gisbert Ebert.

Am Donnerstag ging es schließlich los: Mit scharfem Auge legte Norbert Väthröder Maß an. Der Bauingenieur ist beim Maintal-Theater für die Technik verantwortlich. Zunächst mussten die Querbalken am Floß angebracht und mit Metallbändern gesichert werden. Darauf wurde dann der Boden gezimmert. Zwei Tage lang wurde gehämmert, gesägt und gebohrt, bis die schwimmende Bühne mit vier Meter Breite und neun Metern Länge fertig war.

Anfang Juli beginnen die Proben. Der genaue Termin für den Stapellauf steht noch nicht fest. "Aber wir werden das auf jeden Fall gebührend feiern", sagte Georg Mittendrein, Vorsitzender des Theatervereins. Er hat den 8. Juli dafür angepeilt. "Die behördlichen Auflagen durch das Wasser- und Schifffahrtsamt sind allesamt erfüllt." Die Zusammenarbeit mit allen zuständigen Behörden sei ausgesprochen kooperativ.

Nach der letzten Vorstellung am 29. August wird das Floß wieder zerlegt. Vom 6. bis 29. August werden beim Theater im Main die beiden Stücke "Auf hoher See" von Slawomir Mrozek und "Rock Brothers" von Georg Mittendrein gezeigt. ruw Ruth Weitz Karten beim Maintal-Theater, Maingasse 12, Laudenbach, Telefon 0 93 72 / 94 74 74, www.maintal-theater.de.

Main-Echo am 15. Juni 2009

Ehrenabend mit musikalischem Sahnehäubchen

Maintal-Theater: Klaus Frankl rezitiert im Laudenbacher Anker-Saal Werke von Heinz Erhardt

Laudenbach - Er war ein Schelm mit Hang zur Philosophie, dieser Heinz Erhardt, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte und aus diesem Anlass verschiedene Veranstaltungen und Repliken zu seinen Ehren organisiert werden. Auch der Verein Maintal-Theater hatte aus Erhardts Fundus ein Programm zusammengestellt, das am Samstag- und Sonntagabend auf der Bühne des vollen Anker-Saal in Laudenbach gezeigt wurde.


Fotogalerie: Klicken Sie auf eines der Bilder, um die Fotogalerie zu starten:


Bilderserie: Ruth Weitz

Mit Klaus Frankl als Rezitator hatte der Veranstalter einen guten Griff getan. Der Bayreuther, den nicht nur eine gewisse Ähnlichkeit mit Heinz Erhardt verbindet, sondern auch offensichtlich dessen Schalk im Nacken sitzt, modulierte die Worte so, als würden sie "leicht aus dem Gehege seiner Zähne fallen", wie es der Komiker Erhardt formuliert hatte.

Ehrenabend mit musikalischem Sahnehäubchen
Als Rezitator und Sänger zugleich präsentierte sich Claus Frankl beim Heinz-Erhardt-Abend im Anker-Saal in Laudenbach. Ruth Weitz
Frankl wies darauf hin, dass Erhardt eigentlich ein Musiker war, dessen komisches Talent per Zufall entdeckt wurde. Geschickt waren in das Programm musikalische Elemente eingebaut, teils aus der Feder Erhardts stammend, teils von anderen Komponisten und 0mit Erhardts pfiffigen Texten ausgeschmückt.

Helene Frucht am E-Piano begleitete Frankl, dessen gesangliche Ausbildung klar zu erkennen war. Seine Liedbeiträge setzten der Veranstaltung ein Sahnehäubchen auf, das von Helene Fruchts Interpretation der Erhardt-Kompositionen wie "Märchen" und anderer Werke durch perlende Klavierklänge noch deutlich aufgeschäumt wurde.

Die Heinz-Erhardt-Veranstaltung bildete den Abschluss der Kleinkunstveranstaltungen des Maintal-Theaters, die den Anker-Saal allmonatlich gefüllt hatten. Nach einer Pause im Monat Juli steht das Theaterspektakel im Main vom 6. bis 29. August an, bei dem zwei schwimmende Einakter auf einer Ponton-Bühne im Main bei Laudenbach gezeigt werden.

Wie Maintal-Theater-Vorsitzender Georg Mittendrein am Samstagabend mitteilte, wird die Kleinkunstreihe im Anker-Saal im Herbst fortgesetzt. ruw

 

Main-Echo am 18. Mai 2009

"Das Ei ist hart" - Loriot in Laudenbach

Laudenbach - Knollennase und Kussmündchen – dadurch zeichnen sich Loriots Figuren aus. Aber Loriot alias Vicco von Bülow hat weit mehr zu bieten als zeichnerische Fähigkeiten. Mit scharfem Blick auf die Alltäglichkeiten des Lebens und ihre oft ungewollt täppische Note hat er das Film- und Fernsehpublikum erfreut. Auch heute noch werden seine Sketche und Filme wie Ödipussi oder Papa ante portas gerne gesehen. Das hat Theaterregisseur Georg Mittendrein auf die Idee gebracht, unter dem Titel „Das Ei ist hart“ einen Loriot-Abend zu inszenieren. Dass er dabei ins Schwarze gezielt hat, war bei der Premiere am Freitagabend im fast schon überfüllten Laudenbacher Anker-Saal offensichtlich.

Mit mitreißender Freude agierten die Darsteller auf der Bühne und zeigten eine enorme Wandlungsfähigkeit. Dazu gelang es ihnen in rasanter Geschwindigkeit hinter dem Vorhang Kostüme und Perücken zu wechseln und in Nullkommanix auch optisch in die einzelnen Rollen zu schlüpfen.


„Holeradi dadel do, diridiri dudel dö“, lernen die Zuschauer in der Jodelschule und erfahren, dass ein Dipolomjodeln nicht mit einem Normaljodeln zu vergleichen ist. Frau Hoppenstedt alias Eva Reinold steht kurz vor dem Abschluss und freut sich, dass sie etwas Eigenes hat, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Das meint auch der Gatte (Michael Fernbach) jovial, denn er legt ja wert auf eine gute Partnerschaft – es sei denn, seine Gemahlin widerspricht ihm. Dann zeigt er überdeutlich und gar nicht mehr jovial, wo der Bartl den Most zu holen hat.


Immer wieder zu Lachmuskelreizungen führt der Dialog zwischen Herrn Müller-Lüdenscheidt und Herrn Dr. Klöbner in der Hotelbadewanne – eigentlich nur als Cartoon mit zwei knollennasigen Männchen bekannt. Kajetan Dick und Michael Fernbach haben sich zwar nicht die Knollennase angepappt, aber der Dialog gelingt ihnen mit ebenso gestelzter Bestimmtheit wie den beiden gezeichneten Vorbildern mit gezogenem Wasserstöpsel und Quietsche-Entchen.
„Ja wo laufen sie denn?“ ist ebenfalls ein Loriot-Klassiker im Mittendrein-Programm, dargestellt von Michael Fernbach und Eva Reinold, die sich mit kugelrunden Rehaugen erstaunt über ein Rennpferd mit Namen „Gänseblümchen“ mokiert. Zwei Parade-Nebenrollen hat der Regisseur dem  Laudenbacher Laienschauspieler Erich May zugefertigt. Als wortlos agierendes Fotomodell für eine Wahlplakat-Werbung lässt sein kühles Mienenspiel die Zwerchfelle der Zuschauer hüpfen. In dem Sketch „Die Hausoperation“ ist nur sein gequältes Stöhnen zu vernehmen, als ihm Eva Reinold das Gedärm in Form von Bratwürsten aus dem Leib zieht. Schlussendlich stöhnt er überhaupt nicht mehr, als die letzte Naht mit Riesennadel und rotem Zwirbelfaden geschlossen ist.

Bei der Hausoperation zieht Eva Reinold dem Versuchsobjekt Georg May das Gedärm aus dem Leib – Michael Fernbach als Reporter und Kajetan Dick als Assistent schauen zu. Keine Angst, es sind nur Bratwürste!
Foto: Ruth Weitz

Wenn der drahtig-zackige Opa Lindemann (Michael Fernbach) mit seinem Sparzierstock auf die Verkäuferin (Eva Reinold) im Spielwarenladen zielt und das Geschlecht seines Enkels nicht benennen kann, dann will ihm die nette Dame gerne auf die Sprünge helfen. Die Frage nach dem Zipfelchen bleibt allerdings unbeantwortet.
Ja, dann gibt es noch neben den vielen mehr oder weniger bekannten Sketchen den übernervösen Lottogewinner  Erwin Lindemann, der bei einem Interview alles durcheinander bringt: „ Ich heiße Erwin Lindemann und bin 500000 Jahre alt. In 66 Jahren fahre ich nach Island und im Herbst eröffnet dann der Papst eine Herren-Boutique in Wuppertal“.
Nach der knapp zweistündigen Vorstellung waren sich die Zuschauer einig und Kommentare wie „schön war’s“ oder „könnt’ ich grad’ noch mal schau’n“ sprachen für sich. Für den anhaltenden Applaus gab es dann zum Schluss auch noch eine Zugabe.
Ruth Weitz

 

Fotogalerie: Klicken Sie auf das Bild, um die Fotogalerie zu starten:



Kurzporträt Loriot
Loriot wurde als Vicco von Bülow am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren. Der Künstlername ist die französische Bezeichnung des Pirols, Wappentier der von Bülows. Nach dem Abitur 1946 in Northeim studierte Vicco von Bülow von 1947 bis 1949 Malerei und Grafik an der Kunstakademie in Hamburg. Zunächst arbeitete er als Werbegrafiker und erfand das charakteristische Knollenmännchen. Ab 1950 war er Cartoonist für das Hamburger Blatt „Die Straße“ und dann auch für das Wochenmagazin Stern. Seitdem tritt er mit seinem Künstlernamen auf. Zahlreiche Buchveröffentlichungen mit seinen Zeichnungen folgten. 1971 erschuf Loriot den Fernsehhund Wum. Die erste Folge der Loriot-Fernsehserien entstand 1976. Unvergessen sind seine Sketche mit Evelyn Hamann, mit der er auch die Filme Ödipussi und Pappa ante portas drehte. Vicco von Bülow ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt im Ammerland am Starnberger See. Unter anderem wurde er mit der goldenen Kamera, dem Karl-Valtentin-Orden, dem großen Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik und mit der Ehrenbürgerschaft von Münsing und Brandenburg ausgezeichnet.
ruw

 

Main-Echo am 16. Mai 2009

Sehen statt hören

Theater im Main: Generalprobe für "schwimmende Einakter" wird von Gebärdensprachdolmetscherin übersetzt

Laudenbach - Theater im und nicht am Main - was soll denn das? Eine Ponton-Bühne auf dem Main wird vom 6. bis 29. August Mittelpunkt zweier "schwimmender Einakter" sein, so die Idee von Regisseur Georg Mittendrein. Der umtriebige Theatermann Mittendrein möchte das Spektakel aber auch einer Personengruppe zugänglich machen, der Theater sonst verschlossen bleibt: den Gehörlosen.

 

Ortstermin am Mainufer in Laudenbach: Regisseur Georg Mittendrein (links) erläutert Oswald Haun, Vorsitzender des Gehörlosenvereins (rechts) den Ablauf des Theaters im Main und Gebärdendolmetscherin Rosemarie Fürst (Mitte) übersetzt in die Gebärdensprache.
Foto: Ruth Weitz

Die Generalprobe am 5. August, einen Tag vor der Premiere, kann auch von Menschen erlebt werden, die nicht hören können. Rosemarie Fürst, Gebärdensprachdolmetscherin aus Bürgstadt, wird die Handlung in Gebärdensprache übersetzen.

Kontakt zum Gehörlosenverein Mittendrein hatte Kontakt mit Oswald Haun aus Mömlingen aufgenommen, der Vorsitzender des Gehörlosenvereins Aschaffenburg-Miltenberg ist. Der freut sich, dass den Mitgliedern des Vereins erstmals ermöglicht wird, an einer öffentlichen kulturellen Veranstaltung teilzunehmen. Zwar müssen Menschen ohne Gehör nicht auf Theater verzichten, aber bisher fanden Vorstellungen im geschlossenen Kreis, ausschließlich für Gehörlose, statt.

Anfang Mai haben sich Oswald Haun und Rosemarie Fürst mit Mittendrein am Mainufer bei Laudenbach, um die örtlichen Gegebenheiten in Augenschein zu nehmen. Rund 150 Mitglieder hat der Gehörlosenverein, und der Löwenanteil der Zuschauertribüne wird den Gehörlosen, die aus ganz Deutschland eingeladen sind, zur Verfügung stehen. Gut sichtbar am Ufer wird Rosemarie Fürst das Geschehen auf der Ponton-Bühne live in Gebärdensprache übersetzen.

Drei Männer auf einem Floß In dem ersten Stück, "Auf hoher See" von Slawomir Mrozek, geht es um drei Männer, die auf einem Floß treiben. Die Lebensmittel sind zu Ende, und sie brauchen etwas zu essen. Die Handlung ist turbulent, witzig und zugleich erschreckend aktuell. Einer der Drei muss sich nämlich als "Überlebensmahlzeit" für die Anderen opfern. "Auf hoher See" ist eine bitterböse, manchmal zum Brüllen komische Parabel auf Machtspiele, Intrigen und die Verführbarkeit von Menschen. Die Darsteller: Michael Fernbach, Ralf Meyring, Christian Preuß, sowie Erich May und Georg Mittendrein in Nebenrollen.

Der Plot in dem Einakter "Rock-Brothers" basiert auf einer Idee von Georg Mittendrein. Er dreht sich um eine nicht alltägliche Band, deren Drummer zugleich der Bandleader ist. Das hat einen hammerharten Sound zur Folge.

Ihr gnadenloses Hämmern hat den Rock-Brothers viele umjubelte Erfolge beschert, sorgt aber auch immer für Unmut und Proteste unter den Anwohnern. Nach wiederholtem Ärger haben die Jungs der Band endgültig die Faxen dicke. Sie laden ihre Instrumente auf ein Floß und schippern zu neuen Ufern flussaufwärts zum idyllisch gelegenen Örtchen Laudenbach, wo sie dann so richtig losrocken.

Die Schauspieler sind Michael Fernbach, Ralf Meyring und Christian Preuß. Für die Musik sorgen Christopher Hans (Keyboards), Timo Korn (Bass), Jan Masur (Gitarre) und Christian Schmitt (Bandleader und Drums).

Ruth Weitz

Karten im Vorverkauf gibt es unter der Ticket-Hotline 0 93 72 / 9 47 47 41 oder bei den Main-Echo-Geschäftsstellen sowie im Produktionsbüro des Maintal-Theaters in Laudenbach; Gasthof Anker und per E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

 

Main-Echo am 20. April 2009

Klacherlsuppe, Kraut und Kaiserschmarren

Unterhaltung: Kochshow sorgt für volles Haus

Laudenbach - Kochshows sind im Fernsehen seit Jahren in - seit Samstagabend gibt es im Landkreis Miltenberg ein neues Kochmekka: Laudenbach. Wobei "Mekka" der falsche Ausdruck ist, "Wien" wäre besser, denn was es in "Mittendreins Kochshow" im Saal des Gasthauses Zum Anker zu sehen, zu hören und vor allem zu probieren gab, waren Schmankerl aus der österreichischen Küche.

Irene Budischowski und Georg Mittendrein erheiterten kochend, redend und singend die Gäste im Laudenbacher Gasthaus Zum Anker. Foto: Heinz Linduschka

 

Die Preise für die drei Gänge verrieten schon: Was die Gäste im proppenvollen Saal zu essen bekamen, war nichts für die High-Society, es gab eher das Arme-Leute-Essen. Das war zum Teil ganz schmackhaft, aber allein wegen des Essens wäre wohl kaum jemand gekommen. Die Tiroler Klachelsuppe mit Schweinsfüßen, Sellerie, Karotten, Majoran, Lorbeerblättern und Wacholderbeeren und die Steirische Sülze mit Kernöl bewiesen vor allem, dass man aus Allem etwas machen kann. Die Schinken- und die Krautfleckerln - ein österreichischer Ausdruck für Nudeln - und vor allem der abschließende Kaiserschmarren entsprachen den Untermain-Geschmacksnerven schon besser.

Aber es ging ja nicht nur um Essen und Trinken, als das Maintal-Theater nach Laudenbach einlud. Richtig schmackhaft und gut verdaulich wurde das Ganze erst durch das kulturelle Ambiente der Kochshow, durch das Temperament und den rauen Charme des Wiener Theater-Urgesteins Georg Mittendrein, der das fiktive Zubereiten von "Hendl in Weißweinsauce mit gehackten Maroni" gleich am Anfang als einen unterhaltsamen gestisch-mimischen Einakter zelebrierte.

Im kulturellen Unterhaltungszentrum stand Irene Budischowski, wenn sie zusammen mit ihrem Mann mit sichtbarem Spaß vor Aller Augen Speisen zubereitete und die Gäste kosten ließ, wenn sie ausdrucksvoll und mit großer Präsenz Lieder sang, deren Melodien zum Teil aus ihrer Feder stammten.

Ein als Kartoffellied komponiertes Stück verwandelte sich auf dem Umweg über ein Fischlied zum Schweinelied und endete mit dem Finale "Nie ohne Schweine - das wär' eine Qual". Die Geschichte von Blut- und Leberwurst mutierte zu einer rührend-dramatischen Liebesbeziehung: "In einem Selcherladen hängt a fette Blunzn, / die ist in eine zarte Leberwurst verliebt. / Es wird gewiss sich jeder wohl darüber wundern, / dass 's unterm Wurschtzeug auch an Liebeskummer gibt". Mit authentisch gespielter Verzweiflung fragte Budischowski: "Warum spielt bei Schinkenfleckerl / allerweil das Fleisch Versteckerln?". Matthias Nolte begleitete sie zuverlässig auf dem Keyboard.

Am Ende waren mehr als 70 Gäste sehr zufrieden. Sicher würde auch eine Zweit- oder Drittauflage von der Kochshow ausverkauft sein. Ob sich die Beteiligten diese Anstrengung allerdings noch einmal antun, ist aber unklar, denn schon Karl Valentin wusste: "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit." Und auch Kochen ist schließlich eine Kunst.

Heinz Linduschka

 


Main-Echo am 16. März 2009

"Sixt, du Rindvieh: Goat so oa"

Blödsinn mit Niveau: Maintal-Theater präsentiert Sketch-Klassiker von Karl Valentin

Laudenbach -  "Blödsinn auf hohem Niveau" hat das Maintal-Theater bei seinem Valentin-Abend am Samstag im Saal des Gasthauses Anker in Laudenbach geboten - und zwar so viel, dass selbst Karl Valentin, Urviech des bayerischen Humors, seine Freude an dem kurzweiligen Abend gehabt hätte.


Eva Reinold und Michael Fernbach - hier im Sketch "Der Streit" - trieben mit Valentins Wortwitz dem Laudenbacher Publikum die Tränen in die Augen - mal vor Lachen, mal nahe am Weinen.

Foto: Ruth Weitz

 

Michael Fernbach, Eva Reinold und Regisseur Georg Mittendrein strapazierten mit einigen Klassikern seiner unvergessenen Sketche die Lachmuskeln der Zuschauer.

Mittendrein war in die Rolle des Kalfaktors geschlüpft, rückte in behäbiger Manier Mobiliar zurecht und zeigte sich als Meister der Improvisation. Nach dem Stück "Im Schallplattenladen" hatte er Mühe, die zerbrochenen Platten von der Bühne zu fegen, hielt kurz inne und überreichte einer Zuschauerin eine Ecke mit dem Zusatz "Küss' die Hand, gnä' Frau - zur Erinnerung an den heutigen Abend".

Das brachte einen weiteren Gast in der ersten Reihe auf die Idee, ebenfalls ein Fragment aus den Trümmern zu klauben. Kurzerhand holte Mittendrein ein unter den Vorhang gekicktes Teil hervor, brach es in mehrere Stücke und reichte sie unter Beifall und Gelächter ins Auditorium weiter.

Valentinaden haben auch heute nichts an moralischer Aussagekraft verloren und spiegeln Menschliches und Zwischenmenschliches in einer Schärfe wider, die den Fokus auf tatsächliche und vermeintliche Schwächen richten. Arroganz, Tölpelei, Besserwisserei, verknüpft mit Schlitzohrigkeit und feinem Wortwitz bieten eine Mischung, die dem Zuschauer die Tränen in die Augen treibt - mal vor Lachen, mal nahe am Weinen.

Michael Fernbach und Eva Reinold waren in die Rollen von Karl Valentin und Liesl Karlstadt geschlüpft und erfüllten sie mit Raffinesse und feinem Gespür für Pointen. Eva Reinold blitzte mit ihren Rehaugen im "Streit mit schönen Worten", wenn Michael Fernbach sie mit finsterem Blick und harten Worten der Zuneigung attackierte.

Mit bitterster Miene setzte sie eine noch bissigere Liebenswürdigkeit drauf. Sichtlich erschöpft von all den liebevollen Verbalinjurieren kamen beide zu der Erkenntnis, dass sie die harten Schmeicheleien lieber lassen und sich vertragen sollten. "Sixt, du Rindviech, es goat so oa", war der erleichternde Satz.

Bei den musikalischen Einlagen dokumentierten beide Schauspieler, dass sie vielseitig und auch in der Sparte Musik und Gesang zu Hause sind. Nur vermeintlich lustig war der Inhalt von "Wenn ich ein mal Herrgott wär'": Zwar war es gespickt mit humorigen Pointen, aber der Inhalt entpuppte sich als höchst gesellschaftskritisch.

Eine wunderbare Blödelei krönte den Abschluss eines kurzweiligen Theaterabends: In dem Sketch "Semmelnknödeln" flogen die Wortwitz-Bälle wie bei einem Tischtennis-Match hin und her, so dass die Zuschauer vor Lachen kaum zum Atmen kamen. Mit anhaltendem Applaus forderten sie eine Zugabe, die auch gewährt wurde, mit einem "expressionistischen Gesang". Eine Textzeile daraus: "Der Vater melkt die Enten, wenn der Flieder wieder blüht" - höherer Blödsinn eben. Ruth Weitz

Die nächste Vorstellung des Maintal-Theaters ist am Samstag, 18. April, 19.30 Uhr "Mittendreins Kochshow". Weitere Informationen: www.maintal-theater.de oder Telefon 0 93 72/9 47 47 41 .

 

Main-Echo am 14. Februar 2009

Komiker und Kannibalen

Maintal-Theater:  Der Verein stellt sich im Laudenbacher Gasthaus Zum Anker vor

Laudenbach - Eine ganze Reihe von Projekten wollen Georg Mittendrein und das Maintal-Theater in Laudenbach auf die Beine stellen - und zwar nicht nur in der kleinen Gemeinde am Main, sondern mit möglichst vielen ihrer knapp 1400 Bewohner. Das hat der Intendant bei einem Informationsabend am Donnerstag im Gasthaus Anker betont, bei dem er den Verein und die zwei wichtigsten Produktionen seiner ersten Spielzeit vorstellte.

Auch Kannibalismus ist Verhandlungssache: Dieter Schaller, Georg Mittendrein und Michael Fernbach (von links) gaben am Donnerstag eine Kostprobe aus Slavomir Mrozeks Einakter "Auf hoher See".

Foto: Ruth Weitz

Über 80 Laudenbacher drängten sich in den Anker-Saal, um sich ein paar Kostproben von dem zu holen, was vermutlich den ganzen Sommer den Ort beherrschen wird - und um zu sehen, wer dahinter steckt. So stellten sich denn auch die Mitglieder des Maintal-Theaters mit dem Vorsitzenden Georg Mittendrein, seinem Stellvertreter Jörg Meisenzahl und künstlerischem Betriebsleiter Erich May vor.

Dass die Produktionen noch im Entstehen sind, zeigte der kurze Ausschnitt aus Slavomir Mrozeks Einakter "Auf hoher See". Darin kämpfen drei Schiffbrüchige ums Überleben und diskutieren darüber, wer von ihnen als erstes verspeist werden muss. Michael Fernbach war der einzige Darsteller, der im August auf der Bühne stehen wird. Dieter Schaller sprang für den Schauspieler Christian Preuß ein, und Georg Mittendrein las die Rolle des "dicken Schiffbrüchigen", die erst noch besetzt werden muss. Von den "Rock Brothers" im gleichnamigen Stück von Georg Mittendrein spielten Christian Schmitt (Schlagzeug), Timo Korn (Bass), Jan Masuhr (Gitarre) und Christopher Hans (Keyboard) Beatles und Buddy Holly.

Beide Stücke werden an jedem der zwölf Aufführungsabende im August, jeden Donnerstag, Freitag und Samstag, gezeigt. Pro Stück gibt es eine eigene Floßbühne, die für die Dauer der Präsentation auf dem Fluss vor die Zuschauerbühne gezogen wird. Für Regentage gibt es fixe Ersatztermine.

"Das Maintal-Theater soll keine Eintagsfliege sein", erklärte Mittendrein, "wir wollen Kulturarbeit mit Tiefenwirkung betreiben." Aus diesem Grund wolle das Maintal-Theater auch langfristig mit den Menschen aus der Region zusammenarbeiten.

Dies soll freilich über Spenden und Sponsoring weit hinausgehen. Jeder, der mitmachen will, ist eingeladen, betonte Mittendrein. Interessierte können sich beim neu eingerichteten Theaterbüro im ehemaligen Schwimmbad des Gasthauses Anker in Laudenbach melden.

Theaterluft können Kulturfreunde schon lange vor dem August in Laudenbach schnuppern, wenn der Verein beim "Theater im Main" zwei Einakter auf eine Floß-Bühne bringt. Der Startschuss der Veranstaltungsreihe ist am Samstag, 14. März um 19.30 Uhr. Dann bringen Eva Reinhold und Michael Fernbach vermeintliche Unsinnstiraden von Karl Valentin auf die Bühne des Gasthauses Anker.

Am Samstag, 18. April, unternimmt Intendant Georg Mittendrein ab 19.30 Uhr eine Reise in die österreichische Arme-Leute-Küche. Das Publikum kann die live zubereitete Tiroler Klachelsuppe, Steirische Sülze, Krautfleckerln und Kaiserschmarrn umgehend probieren. Als Zwischengänge serviert Irene Budischowsky Lieder und Gedichte.

Das Beste aus Loriots Sketchen zeigen Eva Reinhold und Michael Fernbach am Freitag, 15. Mai ab 19.30 Uhr - unter anderem "Das Ei", "Die Jodelschule" und "Der Lottogewinner".

Anlässlich des 100. Geburtstages von Heinz Erhardt widmet Claus J. Frankel dem Komiker einen Abend am Sonntag, 19. Juni, ab 19 Uhr.

Sabine Dreher

 

Main-Echo am 12. Februar 2009

Ponton-Bühne für das Maintal-Theater

Theater Freiluft-Saison nun auch in Laudenbach

Laudenbach - Die Freilicht- und -lufttheater am Untermain erhalten Zuwachs: In Laudenbach (Kreis Miltenberg) gibt im August der Verein Maintal-Theater ebenfalls Aufführungen. Der Unterschied zu den Scherenburgfestspielen in Gemünden, den Festspielen auf der Freudenberg, den Clingenburg-Spielen in Klingenberg und den Alzenauer Burgfestspielen: Dort dienen Burgruinen als Bühnen und Kulissen, das im Herbst vergangenen Jahres gegründete Maintal-Theater setzt seine Ponton-Bühne mitten in den Main.

Dort, auf dem Fluss, auf Höhe des Laudenbacher Festplatzes, inszeniert der frühere Intendant der Clingenburg-Festspiele, Georg Mittendrein, an den vier Wochenenden zwischen dem 6. und dem 29. August die Einakter "Auf hoher See" von Slavomir Mrozek und "Rock Brothers" von Georg Mittendrein. Die Zuschauerränge befinden sich am Mainufer. Zeitgleich gibt es einen Kindertheater-Work-Shop.

"Große Kunst zum kleinen Preis" ist nach Angaben von Vereinssprechern das Ziel des Maintal-Theaters: Damit versucht sich das Theater bereits zwischen März und Juni mit Theaterveranstaltungen im Saal des Laudenbacher Gasthauses "Zum Anker" zu etablieren. Im vierwöchigen Abstand gibt es dort Heinz Erhardt-Texte, Loriots satirische Ergüsse und Karl-Valentin-Eskapaden in Kleinkunstaufführungen. red

 

Main-Echo am 26. Januar 2009

Gesucht: Rock'n'Roller, nicht zu dünn

Casting Maintal-Theater startet Darsteller-Auswahl zum Sommerprojekt "Rock Brothers" in Laudenbach

Laudenbach - "Pass auf die Luft auf", ruft Georg Mittendrein in die Rezitation von Robert Foster hinein. Schließlich muss der junge Schauspieler auch mal atmen. Robert Foster aus Großheubach ist aufgeregt. Im Saal des Laudenbacher Feuerwehrhauses nimmt er an einem Casting teil, um sich für eine Rolle des für August geplanten Theaters im Main zu bewerben. Zu besetzen ist der Part des stimmgewaltigen Big Hopper in dem Einakter "Rock Brothers".

 

Fotogalerie: Klicken Sie auf das  Bild, um die Fotogalerie zu starten:

 

Bildergalerie: Ruth Weitz

Foster muss an diesem Nachmittag gegen drei weitere Nachwuchstalente antreten. Nacheinander werden sie von Georg Mittendrein mit professionellem Blick geprüft. Es ist eine Eier legende Wollmilchsau, die der Intendant, Vorsitzender des neu gegründeten Vereins Maintal-Theaters, sucht: Nicht nur die äußere Erscheinung des Darstellers muss zur Rolle des Big Hopper passen. Auch schauspielerische Qualitäten, musikalisches Talent und eine gute Gesangsstimme muss er mitbringen.

"Ich zahle schlecht, aber pünktlich".
Georg Mittendrein, Vorsitzender Maintal-Theater

Robert Foster ist für Georg Mittendrein kein unbeschriebenes Blatt. Er hat bereits beim Barbarossa-Spektakulum in Erlenbach als Harlekin mitgewirkt. "Sie hören von uns", sagt Mittendrein, als der Großheubacher seinen Vortrag beendet hat.

Jetzt ist Thomas Bleeser aus Oberursel an der Reihe. Der Rock 'n' Roll steht ihm ins Gesicht geschrieben. Sein ganzer Körper spricht die Sprache der 50er-Jahre-Rebellen, Elvis-Tolle und Lederjacke unterstützen seine Ausstrahlung. Mit Songs von Elvis Presley und Roy Orbison fetzt Bleeser übers Parkett des Feuerwehrsaals, wirft sich in Pose, rockt, dass es eine Pracht ist.

Sein oder nicht Sein Mittendreins Gesichtszüge entfalten sich vom ernsten Betrachten zu einem breiten Lächeln. Zwei Texte muss Bleeser noch lesen. "Sein oder nicht Sein, das ist hier die Frage", der berühmte Satz aus Shakespeares Hamlet ist der letzte. Das könnte ein Omen für den Oberurseler sein.

"Sie sind ein prima Rock-Mensch, aber ein bisserl dünn", beurteilt Mittendrein die Darstellung. "Aber wenn ich jemanden treff', der gut ist, dann brüten wir und suchen nach Möglichkeiten", ergänzt der Theatermann.

Mit "wir" meint er seinen engen Mitarbeiterstab, zu dem Erich May und Christian Schmitt aus Laudenbach zählen. May ist für die Organisation zuständig und Schmitt der musikalische Leiter des Theaterprojekts. Sie sind beide am Samstagnachmittag dabei, um die Bewerber in Augenschein zu nehmen.

Hohe Gagen können die Darsteller der "Rock Brothers" nicht erwarten, erklärt Mittendrein. Denn das Projekt erfordert einen hohen Aufwand. "Ich zahle schlecht, aber pünktlich", scherzt er. Doch um Geld geht es den Bewerbern auch gar nicht unbedingt.

Dreier-Jury guckt genau hin

Für sie ist es wichtig, auf der Bühne zu stehen und sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. So geht es auch Regina Spiller, die in Krumbach bei Augsburg als Lehrerin arbeitet und ein Laudenbacher Gewächs ist. Sie hat ihren Cousin aus Kleinheubach mitgebracht, der sie am Klavier begleitet. Die junge Frau ist offensichtlich dem Jazz zugeneigt. "Ich bin nicht textsicher", sagt sie, als sie die "Route 66" vom Notenblatt abliest. Mittendrein entreißt ihr kurzerhand das Blatt. "Wenn der Text nicht stimmt, macht das gar nichts", sagt er. Er will die Ausstrahlung der Sängerin spüren, der Notenständer ist da ein Hindernis.

"Eigentlich suchen wir einen Mann, da machen Sie sich nicht gut."
Georg Mittendrein zur Bewerberin Regina Spiller


"Es ist schön, Ihnen zuzuhören und zuzuschauen. Ihre Stimme hat Swing und Gefühl", sagt er dann. "Eigentlich suchen wir einen Mann, da machen Sie sich nicht gut", stellt er scherzhaft fest. Mittendrein macht keinen Hehl daraus, dass er die sympathische junge Frau gerne im Ensemble hätte. "Da findet sich was", sagt er, als Regina sich verabschiedet hat.

Etwas abgehetzt kommt Atze Seidel aus Mömlingen in den Saal. Er gibt zu, dass er sich eigentlich überhaupt nicht auf das Casting vorbereitet hat. Musikalische Erfahrung hat er als Sänger in diversen Rock-Formationen gesammelt. "Crying in the Rain" singt er acapella, dann folgen einige Beatles-Titel. Den Ritchie-Valens-Song "La Bamba" muss er quasi aus dem Ärmel schütteln. Christian Schmitt begleitet ihn mit der Gitarre.

"Können Sie schwimmen?" fragt Georg Mittendrein. Atze Seidel bejaht, beantwortet einige Fragen zu seiner Person und verabschiedet sich. Ein fünfter Bewerber, der sich angemeldet hatte, erscheint nicht.

Für Mittendrein, May und Schmitt ist das Casting noch lange nicht zu Ende. Sie müssen noch über die Rollenvergabe entscheiden, sagt Mittendrein, während er die Unterlagen in seine knallrote Ledertasche packt: "So, jetzt brechen wir mal in heftiges Brüten aus." Ruth Weitz

Eine Vorstellung des Projekts inklusive Ausschnitten aus dem Stück gibt es am Donnerstag, 12. Februar, um 19 Uhr, im Gasthaus Anker Laudenbach. Karten bei Erich May, Telefon 0 93 72/2 02 09.

 

Main-Echo am 26. Januar 2009

"Wer keine Lust auf Theater hat, sollte es lassen"

Besetzung: Wer darf mitmachen bei "Rock Brothers"? - Georg Mittendrein über Anforderungen
an Bewerber

Laudenbach - Im August zeigt das neu gegründete Maintal-Theater die Einakter "Auf hoher See" und "Rock Brothers" auf dem Fluss bei Laudenbach. Kreativer Kopf hinter dem Projekt ist Vereinsvorsitzender Georg Mittendrein (Foto: Ruth Weitz), ehemaliger Intendant der Clingenburg-Festspiele. Beim Casting zu den "Rock Brothers" am Samstag im Laudenbacher Feuerwehrhaus hat Ruth Weitz den Intendanten nach den Details der Künstlersuche gefragt.

 

Auf welchem Weg kommen die Bewerbungen?

Gibt es da vielleicht feste Regeln? Grundsätzlich ist ganz egal, wie jemand an uns gerät. Wichtig ist, dass er an uns gerät. Die Leute, die heute da waren, sind alle aus ganz unterschiedlichen Richtungen gekommen. In den meisten Fällen haben sie gehört: "Wir sind interessiert an..." Es waren zwei aus der engsten Umgebung dabei und zwei aus etwas weiterer Entfernung. Es ist interessant, örtliche Talente zu entdecken.

Nach welchen Kriterien werden die Bewerber ausgesucht?

Das Kriterium ist künstlerisch. Die Frage ist: Kann jemand das, was wir suchen? Ein anderes Kriterium ist: Kann jemand etwas, was uns überrascht? Etwas, das wir zwar nicht suchen, aber dann doch eine Inspiration finden, um es einzusetzen? Dann ist noch entscheidend, ob der Bewerber Riesenlust hat, Theater und Musik zu machen. Denn wenn man keine Lust hat, soll man's bleiben lassen. Und zum Schluss: 51 Prozent Kriterium ist ein ordentlicher Charakter.

Wie lange brauchen Sie, um eine Entscheidung zu treffen? Haben Sie schon einen Favoriten?

Die Entscheidung wird erst in den nächsten drei Wochen fallen, wir stehen nicht unter Druck. Prioritäten haben sich schon abgezeichnet. Wir haben kein genaues Profil dessen, was wir suchen. Wir suchen Menschen, die mit ihren Talenten in das Projekt hineinpassen und möglichst Neues mit hineinbringen.

Es war heute auch eine Frau bei den Bewerbern um die Rolle des Big Hopper. Ist die nicht ausschließlich für einen Mann gedacht?

Primär zu besetzen ist die Rolle eines schwergewichtiger Rock'n'Rollers. Wenn ein zartes Mädchen auftaucht, das dermaßen gut, hinreißend und liebenswürdig ist, schmeißen wir den Big Hopper aus dem Boot heraus und nehmen statt dessen ein zartes Mädchen. Es ist das Interessante an dieser offenen Form unserer Arbeit, dass wir uns inspirieren lassen.